Es heißt, sie sei aus dem Blau selbst geboren – jener Stunde, in der die Nacht den Tag noch nicht ganz loslässt und alles Lebendige eine gemeinsame Haut trägt.


Auf ihrem Kopf trägt sie eine Krone, die kein Goldschmied gefertigt hat: Pfingstrosen, schwer von Schlaf, verwoben mit Zweigen, die noch grün sind vom Leben, das sie einst trugen. 

Das Lamm an ihrer Schulter hat sich dort niedergelassen wie ein Gedanke, der nicht mehr weiterziehen will, sein Atem warm an ihrem Haar, sein Blick mild und ohne Furcht.

Vor ihr steht der Hirsch, geduldig, gefleckt wie eine Sternenkarte, sein Geweih ein Geflecht aus Ästen, an denen Blätter und Blüten ruhen, als wüssten sie nicht, ob sie zum Tier gehören oder zum Wald, aus dem es kam. Er sieht sie nicht an – er wartet. So wie man auf jemanden wartet, dem man schon lange vertraut.

Ihr rotes Kleid leuchtet wie ein Herz, das man von außen sehen kann. Eine große Blüte ruht in ihrem Arm, schwer und rosa, halb Geschenk, halb Wunde, aus der feine rote Fäden sickern, hinab in das Grün ihres Rocks – als wäre auch sie, die Frau, nur eine Pflanze, die gerade beginnt zu blühen.

Sie blickt nicht aus dem Bild heraus. Ihr Blick ruht irgendwo zwischen Lamm und Hirsch, zwischen Wachen und Geleiten. Sie ist keine Königin dieser Wesen, sondern ihre Schwester: gekrönt nicht durch Macht, sondern durch das, was wächst, atmet und mit ihr verwandt ist.


Mixed Media auf Leinwand
80 x 80 cm
Juni 2026